{"id":2774,"date":"2025-02-20T15:41:09","date_gmt":"2025-02-20T14:41:09","guid":{"rendered":"https:\/\/thecannex.com\/studie-cbd-kann-haeufige-vaginalinfektionen-wirksam-behandeln\/"},"modified":"2026-09-14T14:03:23","modified_gmt":"2026-09-14T13:03:23","slug":"studie-cbd-kann-haeufige-vaginalinfektionen-wirksam-behandeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/thecannex.com\/de\/studie-cbd-kann-haeufige-vaginalinfektionen-wirksam-behandeln\/","title":{"rendered":"CBD und Vaginalinfektionen: Was ein Laborversuch gegen das Vaginose-Bakterium zeigte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die bakterielle Vaginose ist die h\u00e4ufigste Scheideninfektion bei Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter \u2014 und eine der frustrierendsten. Antibiotika dr\u00e4ngen sie zur\u00fcck, dann kommt sie wieder. In mehr als der H\u00e4lfte der F\u00e4lle tritt der R\u00fcckfall innerhalb von sechs Monaten ein. Verantwortlich ist ein unscheinbares Bakterium, <em>Gardnerella vaginalis<\/em>, das sich in der Schleimhaut unter einer Schutzschicht einnistet \u2014 einem Biofilm \u2014, in der Medikamente es kaum erreichen. Genau dieses Bakterium hat eine Arbeitsgruppe der Hebr\u00e4ischen Universit\u00e4t Jerusalem mit Cannabidiol konfrontiert, kurz CBD, dem nicht berauschenden Bestandteil der Cannabispflanze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ergebnisse, im Februar 2025 in der Fachzeitschrift <em>Antibiotics<\/em> erschienen (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3390\/antibiotics14020136\">Sionov et al., DOI 10.3390\/antibiotics14020136<\/a>), zeigen: Im Labor gen\u00fcgen sehr geringe CBD-Konzentrationen, um <em>G. vaginalis<\/em> abzut\u00f6ten und seine Biofilme aufzul\u00f6sen \u2014 auch bereits fertig gebildete. Das ist ein bemerkenswertes Signal. Eine Behandlung ist es nicht: Alles fand im Reagenzglas statt, an drei St\u00e4mmen, ohne Tierversuch und ohne Patientin. Im Folgenden steht, was die Studie tats\u00e4chlich belegt, was sie offenl\u00e4sst und was sich dadurch in Deutschland \u00e4ndert \u2014 oder eben nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Wichtigste in einer Minute<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei klinische Isolate von <em>Gardnerella vaginalis<\/em> wurden reinem Cannabidiol ausgesetzt. Bei 2,5 Mikrogramm pro Milliliter h\u00f6rte das Bakterium auf zu wachsen; bei 5 und 10 \u00b5g\/mL wuchs es nach dem \u00dcberimpfen gar nicht mehr an, was f\u00fcr eine abt\u00f6tende und nicht blo\u00df bremsende Wirkung spricht. Die Biofilmbildung verhinderte CBD schon ab 1,25 \u00b5g\/mL, und bei reifen, drei Tage alten Biofilmen sanken Biomasse und Stoffwechselaktivit\u00e4t um 78 bis 90 Prozent. Der Mechanismus l\u00e4uft \u00fcber eine sofortige St\u00f6rung der Bakterienmembran, ein Auslaufen der Zellenergie und die Bildung reaktiver Molek\u00fcle: Gab man Vitamin E hinzu, das solche Radikale abf\u00e4ngt, verschwand die Wirkung vollst\u00e4ndig. Diese Konzentrationen liegen deutlich unter jenen, die in fr\u00fcheren Arbeiten desselben Labors menschliche Zellen sch\u00e4digten. Die Studie ist aber rein in vitro, das schreiben die Autoren selbst, und eine Untersuchung an Frauen existiert nicht. F\u00fcr Pilzinfektionen durch <em>Candida<\/em>, die h\u00e4ufig mit einer Vaginose verwechselt werden, stammen die Daten aus anderen Arbeiten \u2014 unter anderem von der Universit\u00e9 Laval in Qu\u00e9bec \u2014 und auch die sind pr\u00e4klinisch. In Deutschland darf kein CBD-Produkt als Mittel gegen eine Scheideninfektion angeboten, verkauft oder beworben werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum die bakterielle Vaginose so schwer behandelbar ist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine gesunde Scheidenflora wird von Laktobazillen beherrscht, Bakterien, die Milchs\u00e4ure bilden und den pH-Wert niedrig halten, zwischen 3,5 und 4,5. Dieses saure Milieu h\u00e4lt Eindringlinge fern. Gehen die Laktobazillen zur\u00fcck \u2014 durch Hormone, den Zyklus, bestimmte Medikamente oder schlicht durch Zufall \u2014, steigt der pH-Wert, und anaerobe Bakterien vermehren sich. Unter den rund drei\u00dfig Arten, die mit einer Vaginose in Verbindung stehen, gilt <em>G. vaginalis<\/em> in der Studie als die h\u00e4ufigste und aggressivste. Sie besiedelt das Epithel, verdr\u00e4ngt die Laktobazillen und baut einen Biofilm auf, eine Art bakteriellen M\u00f6rtel, der sie vor S\u00e4ure, vor Wasserstoffperoxid und vor Antibiotika sch\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Standardbehandlung st\u00fctzt sich auf zwei Antibiotika, Metronidazol und Clindamycin. Sie wirken, haben aber zwei von den Autoren dokumentierte Schw\u00e4chen: Metronidazol bremst auch die Laktobazillen, was den Wiederaufbau einer sch\u00fctzenden Flora verz\u00f6gert, und die R\u00fcckfallquote liegt nach sechs Monaten \u00fcber 50 Prozent \u2014 wegen Resistenzen, wegen des Biofilms und wegen erneuter Ansteckung \u00fcber den Partner. Eine unbehandelte Vaginose ist zudem nicht harmlos: Die gest\u00f6rte Flora ist mit einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr Fr\u00fchgeburten, Fehlgeburten, Unterleibsentz\u00fcndungen und f\u00fcr die \u00dcbertragung von HIV und humanen Papillomviren verbunden. Daher das Interesse an Molek\u00fclen, die anders ansetzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was die Jerusalemer Gruppe gemessen hat<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschenden arbeiteten mit drei klinischen Isolaten von <em>G. vaginalis<\/em> aus Vaginalabstrichen, die im mikrobiologischen Labor des Hadassah Medical Center lagerten und per Massenspektrometrie und PCR bestimmt wurden. Das Bakterium w\u00e4chst langsam und braucht sauerstofffreie Bedingungen, was die Versuche erschwerte: Die \u00fcblichen Protokolle mussten angepasst werden, mit Kulturen in 10-Milliliter-Ans\u00e4tzen und einer Aufkonzentrierung der Bakterien vor jeder Messung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das verwendete CBD war zu \u00fcber 99 Prozent rein und in Ethanol gel\u00f6st, mit einer reinen Ethanolkontrolle, um auszuschlie\u00dfen, dass das L\u00f6sungsmittel etwas erkl\u00e4rt. Die minimale Hemmkonzentration \u2014 jene, die innerhalb von 24 Stunden jedes sichtbare Wachstum unterbindet \u2014 lag je nach Stamm zwischen 1,25 und 2,5 \u00b5g\/mL. Der ATP-Gehalt, die Energiew\u00e4hrung der Zelle, war nach 24 Stunden um 85 bis 95 Prozent eingebrochen. Entscheidend war vor allem das \u00dcberimpfen: Behandelte Bakterien wurden auf Kochblutagar ausgestrichen und 48 Stunden bebr\u00fctet. Bei 5 und 10 \u00b5g\/mL wuchs keiner der drei St\u00e4mme wieder an; bei 2,5 \u00b5g\/mL blieben zwei von drei ohne Wachstum. Bei 1,25 \u00b5g\/mL dagegen erholte sich das Bakterium. Anders gesagt: Zwischen 1,25 und 2,5 \u00b5g\/mL bremst CBD, ab 5 \u00b5g\/mL t\u00f6tet es. Auch eine auf f\u00fcnf Tage verl\u00e4ngerte Bebr\u00fctung zeigte bei der Hemmkonzentration und dar\u00fcber kein erneutes Wachstum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Durchflusszytometrie best\u00e4tigte das Bild: Die mit einem Fluoreszenzmarker gemessene Stoffwechselaktivit\u00e4t der Bakterien sank nach drei Stunden um 32 bis 56 Prozent, nach sechs Stunden um 30 bis 72 Prozent und nach 24 Stunden um 82 bis 95 Prozent, jeweils dosisabh\u00e4ngig zwischen 2,5 und 10 \u00b5g\/mL. Unter dem hochaufl\u00f6senden Elektronenmikroskop wirkten die behandelten Bakterien abgeflacht und geschrumpft, die Konturen verwischt, w\u00e4hrend die Kontrollen ihre gebogene St\u00e4bchenform und ihre glatte Oberfl\u00e4che behielten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Biofilm als eigentliches Ziel<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist der klinisch wichtigste Teil der Arbeit, denn der Biofilm erkl\u00e4rt die R\u00fcckf\u00e4lle. Getestet wurden zwei Situationen. In der ersten war CBD von Anfang an vorhanden: Es verhinderte die Biofilmbildung ab 1,25 \u00b5g\/mL, also unterhalb der Konzentration, die das Wachstum stoppt \u2014 ein Hinweis auf eine spezifisch gegen den Biofilm gerichtete und nicht blo\u00df antibakterielle Wirkung. In der zweiten wurden reife, drei Tage alte Biofilme drei Tage lang CBD ausgesetzt: Stoffwechselaktivit\u00e4t und Biomasse gingen bei 2,5 \u00b5g\/mL um 78 bis 80 Prozent zur\u00fcck, bei 5 und 10 \u00b5g\/mL um 88 bis 90 Prozent. Schon acht Stunden Einwirkzeit gen\u00fcgten, um unter dem Mikroskop zu sehen, wie die meisten Bakterien im Biofilm ihre Struktur verloren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein unerwartetes Detail: Die Genanalyse nach sechs Stunden Behandlung zeigte, dass die biofilmbezogenen Gene eher hoch- als herunterreguliert waren. Die Autoren schlie\u00dfen daraus, dass die Wirkung auf den Biofilm bei Hemmkonzentration und dar\u00fcber vor allem am Absterben der Bakterien liegt und nicht an einer Blockade der Biofilm-Maschinerie selbst. Sie halten au\u00dferdem fest, dass die behandelten Bakterien weiterhin an kultivierten Geb\u00e4rmutterhalszellen haften und von Makrophagen aufgenommen werden konnten \u2014 eher eine gute Nachricht, denn das Immunsystem k\u00f6nnte weiter aufr\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie CBD dabei vorgeht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cannabidiol verh\u00e4lt sich nicht wie ein klassisches Antibiotikum, das die Membran durchl\u00f6chert. Propidiumiodid, ein Farbstoff, der nur in Zellen mit besch\u00e4digter H\u00fclle eindringt, wurde nicht aufgenommen. Daf\u00fcr gen\u00fcgten zehn Minuten, um eine Hyperpolarisation der Membran auszul\u00f6sen, also eine abrupte St\u00f6rung des Ladungsunterschieds zwischen Innen und Au\u00dfen. Dieser Ladungsunterschied ist die Batterie, die die ATP-Produktion antreibt; st\u00f6rt man ihn, ist der Strom weg. Anschlie\u00dfend trat ATP nach au\u00dfen aus, zeit- und dosisabh\u00e4ngig, w\u00e4hrend der interne Vorrat zusammenbrach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zweite Puzzleteil ist paradox. CBD wirkte als Antioxidans und senkte die reaktiven Sauerstoffspezies im Bakterium bei 10 \u00b5g\/mL um 70 Prozent. Antioxidantien k\u00f6nnen beim Neutralisieren solcher Molek\u00fcle allerdings selbst Radikale erzeugen. Die Forschenden gaben deshalb Alpha-Tocopherol hinzu, also Vitamin E, das freie Radikale abf\u00e4ngt: Die antibakterielle Wirkung verschwand, die Bakterien \u00fcberlebten. Was <em>G. vaginalis<\/em> t\u00f6tet, ist demnach nicht das CBD allein, sondern wahrscheinlich ein reaktives Produkt aus seiner Begegnung mit Sauerstoff. Die Proteinanalyse ergab schlie\u00dflich einen zwei- bis dreifachen R\u00fcckgang von sechs ribosomalen Proteinen \u2014 den Bauteilen der zelleigenen Proteinfabrik \u2014 unter 386 nachgewiesenen Proteinen sowie einen Anstieg der Cysteinsynthase, vermutlich ein Versuch des Bakteriums, sein Redox-Gleichgewicht wiederherzustellen. Einen verwandten Wirkmechanismus, der eher entwaffnet als zerst\u00f6rt, hat dasselbe Labor in <a href=\"https:\/\/thecannex.com\/de\/cbd-anti-virulenz-listeria-monocytogenes-2026-deutschland\/\">seiner Arbeit zu Listeria monocytogenes<\/a> beschrieben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und was ist mit Pilzinfektionen durch Candida?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier ist eine Klarstellung n\u00f6tig, denn die fr\u00fchere Fassung dieses Artikels hat zwei Dinge vermischt. Die Jerusalemer Studie von 2025 befasst sich ausschlie\u00dflich mit <em>Gardnerella vaginalis<\/em>, dem Bakterium der Vaginose. Sie enth\u00e4lt kein einziges Experiment zu <em>Candida albicans<\/em>, dem Hefepilz hinter den meisten Scheidenpilzinfektionen. Die Beschwerden \u00e4hneln sich, aber es sind andere Erreger, andere Behandlungen und andere Belege.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu <em>Candida<\/em> stammen die Daten von anderswo. Dieselbe israelische Gruppe hatte 2021 in <em>Microorganisms<\/em> gezeigt, dass CBD <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3390\/microorganisms9020441\">die Bildung von C.-albicans-Biofilmen hemmt und bestehende aufl\u00f6st<\/a>, und zwar unterhalb der Konzentrationen, die den Pilz abt\u00f6ten: Es ver\u00e4ndert den Aufbau des Biofilms und bremst den \u00dcbergang in die fadenf\u00f6rmige, aggressivere Wuchsform. J\u00fcnger ist eine Arbeit der zahnmedizinischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e9 Laval in Qu\u00e9bec, Ende 2024 im <em>Canadian Journal of Microbiology<\/em> erschienen (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1139\/cjm-2024-0034\">Bahraminia et al., DOI 10.1139\/cjm-2024-0034<\/a>): CBD in 20 \u00b5g\/mL senkte die Hefekonzentration nach einer Einwirkung von 5,1 Millionen auf 1,8 Millionen Zellen pro Milliliter und nach der zweiten auf 1,1 Millionen; der \u00dcbergang von der Hefe- zur Hyphenform fiel von 20 auf 2 Prozent. Die Mitteilung der Universit\u00e4t nennt vorsichtig Mundsoor und bestimmte Scheideninfektionen als m\u00f6gliche k\u00fcnftige Ziele. Auch hier: alles in der Kultur. Der rote Faden all dieser Arbeiten ist der Biofilm \u2014 weshalb CBD auch <a href=\"https:\/\/thecannex.com\/de\/cbd-parodontitis-zahnfleisch\/\">in der Parodontologie<\/a> immer wieder als Kandidat auftaucht, mit denselben Vorbehalten zur Gr\u00f6\u00dfenordnung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Grenzen, von den Autoren selbst benannt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der ehrlichste Absatz der Arbeit ist ihr letzter Satz: Die Einschr\u00e4nkung dieser Untersuchung sei, dass es sich um eine In-vitro-Studie handele, und die n\u00e4chsten Schritte m\u00fcssten Wirksamkeit und Giftigkeit im Tierversuch kl\u00e4ren, bevor \u00fcberhaupt an Versuche am Menschen zu denken sei. Dazu kommt, was in der Studie gar nicht vorkommt. Drei Isolate sind wenig f\u00fcr eine so variable Art. Die Laktobazillen wurden nicht direkt getestet: Die Aussage, CBD schone sie, st\u00fctzt sich auf fr\u00fchere Arbeiten an M\u00e4usen und mit einem Pflanzenextrakt gegen Staphylokokken, nicht auf eine hier vorgenommene Messung. Die Hemmkonzentration hing von der Bakteriendichte ab \u2014 sie verdoppelte sich, wenn man die Bakterienmenge verdoppelte \u2014, weshalb die Autoren eher an einen Einsatz gegen Restkeime und zur R\u00fcckfallvorbeugung denken als gegen eine bl\u00fchende Infektion; das ist eine Vermutung, kein Ergebnis. Und ein N\u00e4hrmedium ist keine Scheide: pH-Wert, Schleim, Hormone, Mischflora, all das fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt ein Argument f\u00fcr eine Fortsetzung. Die wirksamen Konzentrationen von 2,5 bis 10 \u00b5g\/mL liegen weit unter jenen, die in fr\u00fcheren Arbeiten des Labors Epithelzellen sch\u00e4digten, was theoretisch einen Spielraum l\u00e4sst. Und eine \u00f6rtliche Anwendung w\u00fcrde den \u00dcbertritt ins Blut begrenzen, da CBD in der Leber rasch abgebaut wird. Aber theoretisch ist hier das entscheidende Wort. Kein Produkt, keine Rezeptur und keine Dosis wurde je an einem Menschen gepr\u00fcft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was sich in Deutschland \u00e4ndert: vorerst nichts<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr eine deutsche Leserin sind drei Ebenen zu trennen. Die erste ist die arzneimittelrechtliche: Genau ein CBD-Medikament ist zugelassen, Epidyolex, und zwar f\u00fcr Anf\u00e4lle beim Lennox-Gastaut-Syndrom, beim Dravet-Syndrom und bei tuber\u00f6ser Sklerose, verschreibungspflichtig und mit enger \u00e4rztlicher Begleitung. F\u00fcr eine gyn\u00e4kologische Infektion ist kein CBD-Arzneimittel zugelassen, und nichts in dieser Studie begr\u00fcndet eine solche Forderung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Ebene ist Medizinalcannabis. Seit dem 1. April 2024 ist Cannabis zu medizinischen Zwecken im Medizinal-Cannabisgesetz geregelt und kein Bet\u00e4ubungsmittel mehr; verschrieben wird nach \u00e4rztlicher Einsch\u00e4tzung, in der Praxis vor allem bei chronischen Schmerzen, Spastik, Appetitverlust und \u00dcbelkeit unter Chemotherapie. Scheideninfektionen geh\u00f6ren nicht dazu, und es gibt keine klinische Grundlage daf\u00fcr. Parallel regelt das Konsumcannabisgesetz den privaten Umgang mit THC-haltigem Cannabis \u2014 mit CBD-Produkten hat das nichts zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die dritte Ebene ist der Verbrauchermarkt, und sie ist die un\u00fcbersichtlichste. CBD als solches f\u00e4llt nicht unter das Bet\u00e4ubungsmittelrecht, doch als Lebensmittel gilt es in der EU als neuartig und ist bis heute nicht zugelassen: \u00d6le, Tropfen und Kapseln zum Einnehmen sind damit nicht verkehrsf\u00e4hig, worauf das Bundesamt f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit seit Jahren hinweist. Kosmetik mit CBD ist zul\u00e4ssig \u2014 unter einer Bedingung, die hier alles entscheidet: keine Heilaussagen. Ein Gel, eine Creme oder ein Ovulum, das als wirksam gegen Vaginose oder Scheidenpilz beworben wird, w\u00e4re nach dem Heilmittelwerbegesetz unzul\u00e4ssige Werbung und zugleich ein nicht zugelassenes Arzneimittel. Hinzu kommt ein grunds\u00e4tzliches Problem: Die H\u00e4lfte der in Europa untersuchten CBD-\u00d6le <a href=\"https:\/\/thecannex.com\/de\/cbd-oel-etikett-studie-europa\/\">enthielt nicht den angegebenen Gehalt<\/a>, womit jede Vorstellung von einer Dosis aus einem Handelsprodukt hinf\u00e4llig wird. Wer das Gesamtbild aus Wirkung, Dosierung und Rechtslage sucht, findet es in unserem <a href=\"https:\/\/thecannex.com\/de\/cbd-leitfaden-wirkung-dosierung-rechtslage\/\">wissenschaftlichen CBD-Leitfaden<\/a>, der bei jeder \u00c4nderung aktualisiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was diese Studie liefert, ist ein klarer Mechanismus und ein sauberes pr\u00e4klinisches Signal gegen ein schwieriges Bakterium. Was sie nicht liefert, ist ein Grund zu handeln. Eine Vaginose oder ein Scheidenpilz, der nicht abklingt, geh\u00f6rt in die Hand einer \u00c4rztin oder eines Arztes \u2014 mit Abstrich und mit einer Behandlung, deren Wirksamkeit belegt ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">H\u00e4ufige Fragen<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"schema-faq wp-block-yoast-faq-block\"><div class=\"schema-faq-section\" id=\"faq-question-1789500000000\"><strong class=\"schema-faq-question\">Heilt CBD eine bakterielle Vaginose?<\/strong> <p class=\"schema-faq-answer\">Nein, daf\u00fcr gibt es keinen Beleg. Eine Studie von 2025 hat gezeigt, dass CBD im Labor <em>Gardnerella vaginalis<\/em> abt\u00f6tet und dessen Biofilme zerst\u00f6rt, bei 2,5 bis 10 \u00b5g\/mL. Weder eine Tierstudie noch eine Untersuchung an Frauen wurde ver\u00f6ffentlicht. Die Autoren selbst bezeichnen ihre Arbeit als Ausgangspunkt.<\/p> <\/div> <div class=\"schema-faq-section\" id=\"faq-question-1789500017389\"><strong class=\"schema-faq-question\">Gilt die Studie auch f\u00fcr Scheidenpilz?<\/strong> <p class=\"schema-faq-answer\">Nein. Die Jerusalemer Studie befasst sich nur mit dem Bakterium der Vaginose. Die Daten zu <em>Candida albicans<\/em>, dem Erreger der Pilzinfektionen, stammen aus anderen Arbeiten, unter anderem einer Studie desselben Labors von 2021 und einer Studie der Universit\u00e9 Laval in Qu\u00e9bec von 2024, beide in Zellkultur.<\/p> <\/div> <div class=\"schema-faq-section\" id=\"faq-question-1789500034778\"><strong class=\"schema-faq-question\">Darf man in Deutschland ein CBD-Produkt gegen eine Scheideninfektion kaufen?<\/strong> <p class=\"schema-faq-answer\">Nein. F\u00fcr diese Anwendung ist kein CBD-Arzneimittel zugelassen, und ein Kosmetikprodukt mit CBD darf keine Heilaussage tragen; wer eine solche Aussage trifft, macht daraus ein nicht zugelassenes Arzneimittel und verst\u00f6\u00dft zugleich gegen das Heilmittelwerbegesetz. CBD-Produkte zum Einnehmen sind in der EU als neuartige Lebensmittel bis heute nicht zugelassen. Medizinalcannabis wird \u00e4rztlich verordnet, deckt aber keine gyn\u00e4kologischen Infektionen ab.<\/p> <\/div> <div class=\"schema-faq-section\" id=\"faq-question-1789500052167\"><strong class=\"schema-faq-question\">Warum machen Biofilme die Vaginose so schwer behandelbar?<\/strong> <p class=\"schema-faq-answer\">Der Biofilm ist eine Schutzschicht, die Bakterien auf der Schleimhaut um sich herum aufbauen. Sie schirmt sie gegen Milchs\u00e4ure, gegen das von Laktobazillen gebildete Wasserstoffperoxid und gegen Antibiotika ab. Das ist einer der Gr\u00fcnde, warum mehr als jede zweite Vaginose innerhalb von sechs Monaten nach einer Standardbehandlung zur\u00fcckkehrt \u2014 und warum die F\u00e4higkeit von CBD, auf bereits gebildete Biofilme zu wirken, das meistbeachtete Ergebnis der Studie ist.<\/p> <\/div> <\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hinweis<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel gibt Forschungsergebnisse aus begutachteten Fachzeitschriften wieder. Er verfolgt keinen medizinischen Zweck und stellt weder eine \u00e4rztliche Auskunft noch eine Empfehlung oder eine Aufforderung dar, Cannabidiol oder ein anderes Cannabisderivat zur Vorbeugung oder Behandlung einer Infektion zu verwenden. Die beschriebenen Daten stammen aus In-vitro-Versuchen und wurden beim Menschen nicht best\u00e4tigt. Scheideninfektionen geh\u00f6ren in \u00e4rztliche Behandlung. Die rechtliche Einordnung von CBD-Produkten hat sich in Deutschland und in der EU mehrfach ge\u00e4ndert und kann sich weiter \u00e4ndern; es liegt bei jeder Leserin und jedem Leser, die jeweils geltenden Regeln einzuhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die bakterielle Vaginose ist die h\u00e4ufigste Scheideninfektion bei Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter \u2014 und eine der frustrierendsten. Antibiotika dr\u00e4ngen sie zur\u00fcck, dann kommt sie wieder. 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CBD-Produkte zum Einnehmen sind in der EU als neuartige Lebensmittel bis heute nicht zugelassen. Medizinalcannabis wird \u00e4rztlich verordnet, deckt aber keine gyn\u00e4kologischen Infektionen ab.","inLanguage":"de"},"inLanguage":"de"},{"@type":"Question","@id":"https:\/\/thecannex.com\/de\/studie-cbd-kann-haeufige-vaginalinfektionen-wirksam-behandeln\/#faq-question-1789500052167","position":4,"url":"https:\/\/thecannex.com\/de\/studie-cbd-kann-haeufige-vaginalinfektionen-wirksam-behandeln\/#faq-question-1789500052167","name":"Warum machen Biofilme die Vaginose so schwer behandelbar?","answerCount":1,"acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Der Biofilm ist eine Schutzschicht, die Bakterien auf der Schleimhaut um sich herum aufbauen. Sie schirmt sie gegen Milchs\u00e4ure, gegen das von Laktobazillen gebildete Wasserstoffperoxid und gegen Antibiotika ab. Das ist einer der Gr\u00fcnde, warum mehr als jede zweite Vaginose innerhalb von sechs Monaten nach einer Standardbehandlung zur\u00fcckkehrt \u2014 und warum die F\u00e4higkeit von CBD, auf bereits gebildete Biofilme zu wirken, das meistbeachtete Ergebnis der Studie ist.","inLanguage":"de"},"inLanguage":"de"}]}},"brizy_media":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2774","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2774"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2774\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9495,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2774\/revisions\/9495"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2762"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2774"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2774"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2774"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}