{"id":9157,"date":"2026-09-10T10:12:58","date_gmt":"2026-09-10T09:12:58","guid":{"rendered":"https:\/\/thecannex.com\/?p=9157"},"modified":"2026-09-10T10:21:57","modified_gmt":"2026-09-10T09:21:57","slug":"biologische-bekaempfung-pilzkrankheiten-cannabis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/thecannex.com\/de\/biologische-bekaempfung-pilzkrankheiten-cannabis\/","title":{"rendered":"Biologische Bek\u00e4mpfung von Pilzkrankheiten bei Cannabis: Was die Evidenz wirklich hergibt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem Konsumcannabisgesetz gibt es in Deutschland zwei Welten des Cannabisanbaus, die kaum etwas miteinander zu tun haben \u2014 und beide haben dasselbe Problem. Auf der einen Seite stehen Anbauvereinigungen und Eigenanbauer, die drei Pflanzen im Zelt stehen haben und beim ersten Grauschimmel in der Bl\u00fcte ratlos sind. Auf der anderen Seite produzieren lizenzierte Betriebe Medizinalcannabis unter GACP- und EU-GMP-Bedingungen, wo eine mikrobiologische Grenzwert\u00fcberschreitung eine ganze Charge kostet. F\u00fcr keine dieser beiden Welten gibt es in Deutschland ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel gegen die wichtigsten Pilzerreger. Genau deshalb schaut die Branche seit Jahren auf Bakterien und Pilze, die andere Pilze bek\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine am 9. September 2026 im <em>International Journal of Molecular Sciences<\/em> erschienene \u00dcbersichtsarbeit hat nun zusammengetragen, was dieser Ansatz bisher tats\u00e4chlich geleistet hat. Verfasst hat sie Tiziana M. Sirangelo von der ENEA, der italienischen Agentur f\u00fcr neue Technologien, Energie und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Die Arbeit ist frei zug\u00e4nglich: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3390\/ijms27188024\">&#8222;Towards an Omics-Guided Framework for Microbial Biological Control of Fungal and Oomycete Diseases in <em>Cannabis sativa<\/em>&#8222;<\/a>. Die zugrunde liegenden Literaturrecherchen in Scopus und PubMed wurden am 26. August 2026 abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Key Takeaways<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mikrobielle Antagonisten wirken bei Cannabis \u2014 aber nur unter eng definierten Bedingungen, die kaum jemand reproduziert hat. Einzelne <em>Bacillus<\/em>-, <em>Pseudomonas<\/em>&#8211; und <em>Trichoderma<\/em>-St\u00e4mme sowie mehrere handels\u00fcbliche Pr\u00e4parate haben Wurzelf\u00e4ule, Echten Mehltau und Grauschimmel in kontrollierten Versuchen messbar reduziert, und in einem Fall konnten die verantwortlichen Molek\u00fcle exakt benannt werden. Danach wird die Beweislage d\u00fcnn: Die meisten Studien arbeiteten mit einem Erregerisolat, einer Sorte und einer Anbauumgebung, sodass niemand sagen kann, ob ein Stamm, der eine Genetik in der Klimakammer sch\u00fctzt, auch eine andere Genetik in einer Produktionsanlage sch\u00fctzt. Die \u00dcbersichtsarbeit schl\u00e4gt vor, diese L\u00fccke mit Genomik, Mikrobiomanalyse und Metabolomik zu schlie\u00dfen \u2014 und ist bemerkenswert deutlich darin, dass Omics-Daten allein nichts beweisen. F\u00fcr deutsche GMP-Betriebe kommt ein Punkt hinzu, der selten diskutiert wird: Ein N\u00fctzling, der bis zur Ernte auf der Bl\u00fcte \u00fcberlebt, taucht anschlie\u00dfend in der mikrobiologischen Pr\u00fcfung wieder auf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum die biologische Bek\u00e4mpfung von Pilzkrankheiten bei Cannabis in Deutschland ein Sonderfall ist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In jeder anderen Kultur w\u00e4re die Antwort einfach: zugelassenes Fungizid, Wartezeit einhalten, fertig. Bei Cannabis funktioniert das nicht. Pflanzenschutzmittel werden vom Bundesamt f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kulturspezifisch zugelassen, und f\u00fcr den Anbau von Konsum- oder Medizinalcannabis existiert praktisch keine solche Zulassung. Wer im Rahmen des KCanG anbaut, hat rechtlich schlicht nichts, was er ausbringen d\u00fcrfte. Wer nach MedCanG produziert, unterliegt zus\u00e4tzlich den R\u00fcckstandsanforderungen des Arzneibuchs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommt eine deutsche Besonderheit auf der Produktseite. Ein erheblicher Teil der hierzulande abgegebenen Medizinalbl\u00fcten wird zur Keimreduktion bestrahlt, weil die mikrobiologischen Anforderungen an ein Arzneimittel zur Inhalation streng sind. Das verschiebt die Debatte: Es geht nicht nur darum, ob ein N\u00fctzling die Pflanze sch\u00fctzt, sondern auch darum, was von ihm am Ende der Prozesskette noch \u00fcbrig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und schlie\u00dflich der Ton, in dem man \u00fcber all das sprechen darf. Das Heilmittelwerbegesetz verbietet Heilversprechen f\u00fcr Arzneimittel. Ein Anbauverfahren zu bewerben, indem man ihm therapeutische Wirkung zuschreibt, ist in Deutschland nicht zul\u00e4ssig \u2014 was in der Praxis bedeutet, dass Aussagen \u00fcber biologische Verfahren sich auf Pflanzengesundheit und Produktqualit\u00e4t beschr\u00e4nken m\u00fcssen, nicht auf den Patientennutzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die vier Erreger, die den meisten Schaden anrichten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00dcbersichtsarbeit sortiert die Cannabispathogene nach Verhalten, und das ist kein akademisches Detail: Ein Mikroorganismus, der gegen den einen wirkt, kann gegen den anderen v\u00f6llig nutzlos sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Fusarium<\/em>-Arten befallen Wurzeln, Wurzelhals und Leitgewebe. Sie verursachen Umfallkrankheit in der Anzucht, Welke in der Wachstumsphase und in manchen F\u00e4llen Bl\u00fctenf\u00e4ule. Die h\u00e4ufigsten Verursacher geh\u00f6ren zu den Artkomplexen <em>F. oxysporum<\/em> und <em>F. solani<\/em>; <em>F. proliferatum<\/em> wird mit St\u00e4ngel- und Wurzelhalsf\u00e4ule sowie Marknekrose in Verbindung gebracht. Einige aus Cannabis isolierte <em>Fusarium<\/em>-Arten k\u00f6nnen Mykotoxine bilden \u2014 womit aus einem Ertragsproblem ein Produktsicherheitsproblem wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Pythium<\/em>-Arten wie <em>P. myriotylum<\/em>, <em>P. dissotocum<\/em> und <em>P. aphanidermatum<\/em> sind keine echten Pilze, sondern Eipilze. Sie gedeihen dort, wo Wurzeln dauerhaft nass stehen \u2014 in Hydrokultur und im Gew\u00e4chshaus also besonders gut. Wer Substrat \u00fcber mehrere Zyklen weiterverwendet, sollte wissen, was sich darin ansammelt; unser Beitrag dazu, was <a href=\"https:\/\/thecannex.com\/de\/cannabis-erde-wiederverwenden\/\">90 Jahre Anbau auf demselben Boden<\/a> \u00fcber die Wiederverwendung von Erde verraten, beschreibt das im Detail.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Echter Mehltau, meist verursacht durch <em>Golovinomyces ambrosiae<\/em>, ist ein obligater Biotroph. Er kann ohne lebendes Pflanzengewebe nicht \u00fcberleben, weil er sich \u00fcber Saugorgane aus lebenden Blattzellen ern\u00e4hrt. Das hat eine handfeste Konsequenz: Man kann Kandidatenst\u00e4mme gegen ihn nicht in der Petrischale testen, weil der Erreger dort ohne Wirt gar nicht w\u00e4chst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Botrytis cinerea<\/em> \u2014 Grauschimmel oder Bl\u00fctenf\u00e4ule \u2014 ist das Gegenteil: ein Nekrotroph, der Gewebe abt\u00f6tet und die Reste verwertet. Am gef\u00e4hrlichsten wird er in der Bl\u00fcte, wenn kompakte Bl\u00fctenst\u00e4nde ein Feuchtigkeitsnest bilden, in dem Sporen ideal keimen. Bestandsdichte ist damit Teil der Krankheitsgleichung: Eine Studie dazu, wie sich <a href=\"https:\/\/thecannex.com\/de\/cannabis-pflanzendichte-ertrag-thc-studie\/\">Ertr\u00e4ge \u00fcber die Pflanzdichte um 160 Prozent steigern lassen<\/a>, hat unmittelbare Folgen daf\u00fcr, wie viel stehende feuchte Luft im Bestand h\u00e4ngt. Auf Raumebene gilt dasselbe \u2014 wie stark Temperatur und Feuchte in einer laufenden Indoor-Anlage schwanken, zeigen die <a href=\"https:\/\/thecannex.com\/de\/luftqualitaet-cannabisanbau-studie-arbeitsschutz\/\">113.000 Messwerte einer amerikanischen Anbauanlage<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daneben stehen <em>Rhizoctonia solani<\/em>, <em>Sclerotinia<\/em>-Arten, <em>Sclerotium rolfsii<\/em> und <em>Neofusicoccum parvum<\/em> \u2014 alle schlechter untersucht, f\u00fcr keinen davon gibt es eine validierte biologische Antwort.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie ein n\u00fctzlicher Keim einen sch\u00e4dlichen bek\u00e4mpft<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeit trennt zwei Wirkprinzipien, und diese Trennung ist praktisch relevant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erste ist direkter Antagonismus. Der N\u00fctzling besetzt physisch den Platz und verbraucht die N\u00e4hrstoffe, die der Erreger br\u00e4uchte, produziert antimykotische Substanzen oder greift den Erreger direkt an. <em>Bacillus<\/em>-St\u00e4mme bilden Lipopeptide wie Surfactine, Iturine und Fengycine, die Pilzmembranen zerst\u00f6ren. <em>Pseudomonas<\/em>-St\u00e4mme produzieren unter anderem Phenazine, Pyrrolnitrin, Pyoluteorin und 2,4-Diacetylphloroglucin. Pilzliche Antagonisten wie <em>Trichoderma<\/em> gehen weiter und parasitieren ihr Ziel: Sie umwinden Pilzf\u00e4den und l\u00f6sen sie mit Chitinasen und Glucanasen auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Cannabis gibt es dazu einen sauberen Nachweis. Bei <em>Pseudomonas protegens<\/em> Pf-5 schalteten Forscher die Gene f\u00fcr Pyoluteorin und f\u00fcr 2,4-Diacetylphloroglucin gezielt aus, stellten sie anschlie\u00dfend wieder her und ma\u00dfen, was mit dem Grauschimmel auf Cannabisbl\u00e4ttern passierte. Beide Substanzen erwiesen sich als <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3389\/fmicb.2022.945498\">wesentliche Tr\u00e4ger der Schutzwirkung gegen <em>Botrytis cinerea<\/em><\/a>. Das ist keine Korrelation, sondern Kausalit\u00e4t \u2014 belegt dadurch, dass man die vermutete Ursache entfernt und die Wirkung schw\u00e4cher wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zweite Prinzip ist wirtsvermittelter Schutz. Hier ber\u00fchrt der N\u00fctzling den Erreger nie. Er wird an die Wurzel gegeben, das Immunsystem der Pflanze registriert ihn, und die Abwehr reagiert bei einem sp\u00e4teren Angriff schneller oder st\u00e4rker \u2014 man nennt das Priming. Die Idee ist attraktiv, die Cannabis-Evidenz daf\u00fcr ist ehrlicherweise schwach. Als <em>Pseudomonas<\/em>&#8211; und <em>Bacillus<\/em>-St\u00e4mme an die Wurzeln gegeben und die Bl\u00e4tter sp\u00e4ter mit <em>B. cinerea<\/em> infiziert wurden, lie\u00df sich <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3389\/fpls.2020.572112\">weder eine systemische Krankheitsreduktion noch eine verst\u00e4rkte Abwehrgenexpression reproduzierbar nachweisen<\/a>. Geblieben ist aus dieser Arbeit ein Satz von f\u00fcnf Abwehrmarkern \u2014 ERF1, HEL, PAL, PR1 und PR2 \u2014, die lokal an der Infektionsstelle stark und anhaltend hochreguliert wurden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was tats\u00e4chlich funktioniert hat<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne Marketingsprache liest sich die Bilanz so.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen <em>Fusarium oxysporum<\/em> (Umfallkrankheit) und <em>Pythium myriotylum<\/em> (Wurzel- und Wurzelhalsf\u00e4ule) senkten mehrere Handelspr\u00e4parate die Befallsst\u00e4rke signifikant, wenn sie vor dem Erreger ausgebracht wurden: Lalstop, RootShield, Asperello und Stargus reduzierten den <em>F.-oxysporum<\/em>-Befall, gegen <em>P. myriotylum<\/em> waren RootShield und Lalstop insgesamt am wirksamsten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen Echten Mehltau reduzierten wiederholte Blattapplikationen von Rhapsody ASO (<em>Bacillus subtilis<\/em> QST 713) und Stargus (<em>B. amyloliquefaciens<\/em> F727) die Krankheit auf einer anf\u00e4lligen Sorte konsistent, w\u00e4hrend Actinovate mit <em>Streptomyces lydicus<\/em> WYEC 108 geringere und schwankendere Effekte zeigte. Dieselbe Arbeit fand erhebliche Unterschiede zwischen den Cannabisgenotypen \u2014 ein Hinweis darauf, dass die Sortenwahl m\u00f6glicherweise mehr leistet als die Spritzung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen Grauschimmel hemmten mehrere <em>Bacillus<\/em>&#8211; und <em>Pseudomonas<\/em>-St\u00e4mme den Erreger im Labor und verringerten die L\u00e4sionsst\u00e4rke auf Cannabisbl\u00e4ttern. <em>Trichoderma asperellum<\/em>, 48 Stunden vor der Inokulation auf abgetrennte Bl\u00fctenst\u00e4nde gespr\u00fcht, <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/07060661.2021.1936650\">reduzierte die Bl\u00fctenf\u00e4ule ebenfalls<\/a> \u2014 mit einem Haken, der weiter unten steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was all diese Ergebnisse gemeinsam haben: Klimakammer, Gew\u00e4chshaus, abgetrenntes Gewebe, ein einzelnes Erregerisolat. Daten aus einem vollst\u00e4ndigen kommerziellen Produktionszyklus gibt es praktisch nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Haken f\u00fcr GMP-Betriebe: Der N\u00fctzling bleibt auf der Bl\u00fcte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier wird es f\u00fcr deutsche Produzenten unangenehm. Ein Antagonist, der auf Bl\u00fcten wirken soll, muss auf Bl\u00fcten \u00fcberleben. Persistenz ist die erw\u00fcnschte Eigenschaft. Aber lebensf\u00e4hige Zellen und Sporen, die bis zur Ernte durchhalten, landen im Endprodukt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist nicht hypothetisch. Als <em>Trichoderma asperellum<\/em> die Bl\u00fctenf\u00e4ule an abgetrennten Cannabisbl\u00fctenst\u00e4nden senkte, wurde zugleich \u00fcppiges Wachstum und Sporulation des Antagonisten auf dem behandelten Bl\u00fctengewebe beobachtet. Zur Einordnung: Das Europ\u00e4ische Arzneibuch nennt f\u00fcr nicht-sterile Zubereitungen zur Inhalation eine Gesamtkeimzahl aerober Mikroorganismen von 10\u00b2 KBE\/g und eine Gesamtzahl an Hefen und Schimmelpilzen von 10\u00b9 KBE\/g \u2014 also maximal 200 beziehungsweise 20 KBE\/g.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Wirkstoffseite ist betroffen. Mikrobielle Inokulantien ver\u00e4nderten in einer Untersuchung an f\u00fcnf Cannabissorten die Gehalte von CBDVA, CBDV, CBG, CBD und CBGA, wobei die Richtung des Effekts sortenabh\u00e4ngig war. F\u00fcr ein standardisiertes Arzneimittel ist eine ungeplante Verschiebung des Cannabinoidprofils ein Spezifikationsversto\u00df, egal wie gesund die Pflanzen aussehen. Die Empfehlung der \u00dcbersichtsarbeit ist entsprechend hart: Keimzahl bei der Ernte und Cannabinoidprofil sollten Ausschlusskriterien sein, gepr\u00fcft ab dem ersten Pflanzenversuch \u2014 nicht eine Qualit\u00e4tskontrolle am Ende. Dieselbe Logik gilt f\u00fcr andere Kontaminanten; unsere Berichterstattung dar\u00fcber, wie <a href=\"https:\/\/thecannex.com\/de\/schwermetalle-in-cannabis-who-grenzwert-studie\/\">kerngesund aussehende Bl\u00fcten den WHO-Grenzwert f\u00fcr Schwermetalle rissen<\/a>, zeigt das Muster.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Qualit\u00e4tsnachweise im deutschen Medizinalcannabismarkt kein Randthema sind, hat zuletzt das Vorgehen der Beh\u00f6rden gegen <a href=\"https:\/\/thecannex.com\/de\/deutschland-stoppt-cannabis-eu-gmp-washing\/\">\u201eEU-GMP-Washing\u201c bei importierten Bl\u00fcten<\/a> gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was Omics beitr\u00e4gt \u2014 und was nicht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vorgeschlagene Ablauf ist gestuft: Wirtsgenetik charakterisieren, das Mikrobiom gesunder und kranker Pflanzen vergleichen, daraus ableiten, welche Mikroorganismen man zu kultivieren versucht, die gewonnenen Isolate sequenzieren, sie auf Virulenz- und Toxingene pr\u00fcfen, bevor sie \u00fcberhaupt eine Pflanze ber\u00fchren, die Erreger sequenzieren, um ein repr\u00e4sentatives Pr\u00fcfpanel zusammenzustellen, und erst dann in der Pflanze testen \u2014 \u00fcber mehrere Genotypen und Isolate hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ressourcen daf\u00fcr existieren. Ein Cannabis-Pangenom umfasst inzwischen 181 neu assemblierte und 12 zuvor ver\u00f6ffentlichte Genome aus 144 biologischen Proben. Das erste Genom von <em>Golovinomyces ambrosiae<\/em> umfasst 155,2 Mb mit 6.995 hochvertrauensw\u00fcrdigen Genmodellen und 169 vorhergesagten Effektorkandidaten. Die Genomanalyse dreier in der Cannabisforschung eingesetzter <em>Bacillus<\/em>-St\u00e4mme ergab 18 biosynthetische Genkluster von m\u00f6glichem Biocontrol-Interesse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeit ist pr\u00e4zise darin, was das bringt und was nicht. Der Nachweis eines Genklusters zeigt genetisches Potenzial, keine Aktivit\u00e4t. Das Fehlen bekannter Virulenzgene ist kein Sicherheitsnachweis. Und es gibt derzeit keinen Beleg daf\u00fcr, dass omics-gest\u00fctzte Verfahren bei Cannabis schneller oder g\u00fcnstiger sind als konventionelles Screening \u2014 nur daf\u00fcr, dass die Auswahl nachvollziehbar wird. Omics erg\u00e4nzt die Phytopathologie, es ersetzt sie nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie belastbar ist diese Arbeit?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es handelt sich um eine narrative \u00dcbersichtsarbeit einer einzelnen Autorin, nicht um ein systematisches Review oder eine Metaanalyse. Es wurden keine neuen experimentellen Daten erhoben. Die Literatur stammt aus zwei Datenbanken, mit Priorit\u00e4t f\u00fcr cannabisspezifische Arbeiten, und die Autorin stellt ausdr\u00fccklich klar, dass der vorgeschlagene Ablauf eine Zukunftsperspektive ist: Die vollst\u00e4ndige Kette wurde bei Cannabis nie durchgespielt. Die im letzten Abschnitt behandelten synthetischen Mikrobengemeinschaften sind aus anderen Kulturen \u00fcbertragen \u2014 f\u00fcr keines der besprochenen Cannabis-Pathosysteme wurde bisher ein krankheitsunterdr\u00fcckendes Konsortium validiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man sollte die Arbeit als Karte der L\u00fccken lesen, nicht als Handlungsanweisung. In dieser Funktion ist sie n\u00fctzlich: Sie benennt die Defizite pr\u00e4zise genug, dass jemand sie schlie\u00dfen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">H\u00e4ufige Fragen<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"schema-faq wp-block-yoast-faq-block\"><div class=\"schema-faq-section\" id=\"faq-question-1789031995872\"><strong class=\"schema-faq-question\">Darf ich als Anbauvereinigung oder Eigenanbauer ein biologisches Pflanzenschutzmittel gegen Mehltau einsetzen?<\/strong> <p class=\"schema-faq-answer\">Pflanzenschutzmittel werden in Deutschland vom Bundesamt f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kulturbezogen zugelassen, und die Anwendung au\u00dferhalb der zugelassenen Kultur ist grunds\u00e4tzlich nicht erlaubt. F\u00fcr den Anbau von Cannabis nach dem KCanG existieren derzeit keine entsprechenden Zulassungen \u2014 die Produkte, die in nordamerikanischen Studien verwendet wurden, sind dort f\u00fcr Cannabis registriert, hier nicht. Pflanzenst\u00e4rkungsmittel und N\u00fctzlinge unterliegen wiederum eigenen Regeln. Wer Klarheit braucht, fragt bei der zust\u00e4ndigen Landesbeh\u00f6rde f\u00fcr Pflanzenschutz nach, nicht im Growshop.<\/p> <\/div> <div class=\"schema-faq-section\" id=\"faq-question-1789032011927\"><strong class=\"schema-faq-question\">Wirken biologische Mittel so gut wie chemische Fungizide?<\/strong> <p class=\"schema-faq-answer\">Nach heutiger Datenlage nicht durchg\u00e4ngig. Mehrere Pr\u00e4parate haben die Befallsst\u00e4rke in kontrollierten Versuchen signifikant gesenkt, aber die Reduktion war meist teilweise und nicht vollst\u00e4ndig, und sie hing davon ab, dass vorbeugend behandelt wurde, bevor der Erreger sich etabliert hat. Sie sind ein Baustein neben Hygiene, gesundem Ausgangsmaterial, Luftfeuchteregelung und Luftf\u00fchrung \u2014 kein Ersatz daf\u00fcr.<\/p> <\/div> <div class=\"schema-faq-section\" id=\"faq-question-1789032026713\"><strong class=\"schema-faq-question\"><strong>Reicht nicht einfach ein Bodenhilfsstoff oder Komposttee mit \u201eEffektiven Mikroorganismen\u201c?<\/strong><\/strong> <p class=\"schema-faq-answer\">Wachstumsf\u00f6rderung und Krankheitsunterdr\u00fcckung sind zwei verschiedene Dinge. Ein Produkt, das Wurzelbildung oder Biomasse verbessert, kann gegen einen Erreger v\u00f6llig wirkungslos sein; die \u00dcbersichtsarbeit behandelt Wachstumsf\u00f6rderung ausdr\u00fccklich als Zusatznutzen und nicht als Ersatznachweis f\u00fcr Biocontrol. Pr\u00e4parate mit dokumentierten Versuchen gegen den konkreten Erreger sind etwas anderes als allgemeine Mikrobenzus\u00e4tze.<\/p> <\/div> <div class=\"schema-faq-section\" id=\"faq-question-1789032048339\"><strong class=\"schema-faq-question\">Warum testet man Kandidatenst\u00e4mme nicht einfach in der Petrischale?<\/strong> <p class=\"schema-faq-answer\">Als erster Filter geht das bei manchen Erregern. Aber Hemmung im Labor sagt h\u00e4ufig nichts dar\u00fcber aus, was an der Pflanze passiert, wo der N\u00fctzling auch Gewebe besiedeln, \u00fcberdauern, sich gegen die ans\u00e4ssige Mikroflora behaupten und bei realer Luftfeuchte und Temperatur funktionieren muss. Bei Echtem Mehltau geht es gar nicht, weil der Erreger nur auf lebendem Gewebe w\u00e4chst. Die \u00dcbersichtsarbeit fordert deshalb, dass Kandidaten anhand reproduzierbarer Krankheitsunterdr\u00fcckung an der Pflanze weiterverfolgt werden und nicht anhand von Plattenergebnissen.<\/p> <\/div> <\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rechtlicher Hinweis<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Beitrag dient ausschlie\u00dflich Informations- und Bildungszwecken und stellt weder eine pflanzenbauliche, rechtliche noch eine medizinische Beratung dar. Anbau, Besitz und Weitergabe von Cannabis unterliegen in Deutschland dem Konsumcannabisgesetz und dem Medizinal-Cannabisgesetz, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln dem Pflanzenschutzgesetz und den kulturbezogenen Zulassungen des Bundesamtes f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit; in \u00d6sterreich und der Schweiz gelten abweichende Regelungen. Nichts in diesem Text ist als Empfehlung eines bestimmten Pr\u00e4parates oder als Anleitung zu einer nicht zugelassenen Anwendung zu verstehen. Aussagen zur therapeutischen Wirkung von Cannabisarzneimitteln unterliegen dem Heilmittelwerbegesetz und werden hier ausdr\u00fccklich nicht getroffen. Zulassungsst\u00e4nde, zul\u00e4ssige Wirkstoffe sowie mikrobiologische und R\u00fcckstandsgrenzwerte \u00e4ndern sich laufend; Anbauvereinigungen, Eigenanbauer und Lizenzinhaber sollten vor jeder Anwendung die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde und die geltenden Vorgaben konsultieren. Die beschriebenen Studien sind Forschungsergebnisse unter experimentellen Bedingungen, keine Produktempfehlungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem Konsumcannabisgesetz gibt es in Deutschland zwei Welten des Cannabisanbaus, die kaum etwas miteinander zu tun haben \u2014 und beide haben dasselbe Problem. 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Die \u00dcbersichtsarbeit fordert deshalb, dass Kandidaten anhand reproduzierbarer Krankheitsunterdr\u00fcckung an der Pflanze weiterverfolgt werden und nicht anhand von Plattenergebnissen.","inLanguage":"de"},"inLanguage":"de"}]}},"brizy_media":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9157","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9157"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9157\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9158,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9157\/revisions\/9158"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9156"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9157"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9157"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/thecannex.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9157"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}