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Jay and Silent Bob's Joint Venture

Jay and Silent Bob’s Joint Venture: Das Cannabis-Aufbauspiel, über das gerade die halbe Comic-Con redet

Seit dreißig Jahren stehen Jay und Silent Bob vor einem Kiosk in New Jersey, verkaufen kleine Tütchen und sagen Dinge, die man nicht zitieren kann. Jetzt steigen die beiden in die Landwirtschaft ein — und die Schaufel hältst du.

Auf der San Diego Comic-Con hat Regisseur Kevin Smith am Samstagabend Jay and Silent Bob’s Joint Venture angekündigt, einen Farming-Simulator rund um den Cannabis-Anbau, der 2027 für den PC erscheinen soll. Bekannt wurde die Ankündigung zuerst über den Hollywood Reporter, der das Projekt als „adult cozy farm sim“ beschreibt — hinter dem Spiel steht der neu gegründete Indie-Publisher Nitrate Games. Sowohl Smith als auch Jason Mewes, die Darsteller von Silent Bob und Jay, sind an der Entwicklung beteiligt. Die Steam-Seite ging wenige Stunden nach der Ankündigung online.

Klingt nach einem beliebigen Lizenzspiel? Ist es nicht. Joint Venture ist eines der ersten Spiele im Mainstream, dessen komplette Spielschleife auf Cannabis-Anbau aufbaut — Pflanzen, Kreuzen, Ernten, Verkaufen. Und das ausgerechnet in einem Moment, in dem Deutschland zu den wenigen Ländern gehört, in denen der erste Teil davon tatsächlich legal ist. Der zweite dagegen nicht.

Das Wichtigste in Kürze. Jay and Silent Bob’s Joint Venture wurde auf der Comic-Con 2026 vorgestellt und soll 2027 für den PC über Steam erscheinen; entwickelt wird es von Starworks Studios, veröffentlicht von Nitrate Games. Spielerisch ist es ein entspannter Einzelspieler-Aufbausimulator in der Tradition von Stardew Valley, nur dass die Nutzpflanze Cannabis heißt und der Humor ausdrücklich erwachsen ausfällt. Man baut aus einem vermüllten Hinterhof einen Grow auf, kreuzt Pflanzen zu neuen Sorten mit überzeichneten Effekten und trifft dabei auf Figuren und Schauplätze aus Kevin Smiths Filmuniversum. Kevin Smith und Jason Mewes sind kreativ eingebunden. Die Entwickler betonen, dass es sich um legalen Cannabis-Anbau innerhalb einer fiktiven Welt handelt; laut Steam-Hinweis zu Inhalten für Erwachsene enthält das Spiel keine realistische Darstellung von Substanzmissbrauch. Für deutsche Spielerinnen und Spieler ist vor allem eines interessant: Der Anbau, um den sich das Spiel dreht, ist hierzulande seit April 2024 im engen Rahmen erlaubt — der Handel damit bleibt strafbar.

Worum geht es in Jay and Silent Bob’s Joint Venture?

Die Ausgangslage ist herrlich kleinlich: Jay und Silent Bob drehen dir schlechte Ware an, und um die Sache wiedergutzumachen, steigst du bei ihnen ins Geschäft ein. Du erbst einen zugemüllten Hinterhof, ein paar alte Werkzeuge und eine Handvoll Samen. Ziel ist der beste Betrieb im Tri-State-Gebiet.

Steam führt das Spiel unter Casual, Indie und Simulation, ausschließlich für einen Spieler, und die Hardware-Anforderungen sind moderat — eine GTX 1050 Ti und 6 GB RAM reichen für den Einstieg. Versprochen werden keine Niederlagen-Zustände, kein Zeitdruck und keine In-App-Käufe. Das Ganze bewirbt sich selbst als ausgesprochen unanständiges, aber gemütliches Farm-Abenteuer. Diese Kombination ist der eigentliche Reiz: wirklich entspannte Mechaniken, verpackt in wirklich derbe Dialoge.

Dazu kommt eine Stadt zum Erkunden. Leonardo, New Jersey wurde in 3D nachgebaut, mit dem Quick Stop, der Videothek RST Video, dem Fastfood-Laden Mooby’s und der Mall als begehbaren Orten. Dutzende Figuren haben eigene Dialoge und Aufträge, die sich mit wachsender Freundschaft freischalten. Es gibt sogar eine Container-Tauch-Mechanik — was entweder ein Freeganismus-Simulator ist oder das markentreueste Feature der Spielegeschichte.

Stardew Valley für Erwachsene

Das Genre der gemütlichen Aufbauspiele war bisher auffällig brav. Farmville hat man mit der Tante gespielt. Stardew Valley handelt im Kern von Trauer, Gemeinschaft und Rüben. Animal Crossing ist ein Immobilienkredit-Simulator mit einem sprechenden Waschbären.

Joint Venture übernimmt das Vokabular dieses Genres — pflanzen, gießen, ernten, einrichten, Freundschaften pflegen — und richtet es auf ein Thema, das dort bislang nicht vorkam. Smith kündigte das Projekt in genau dem Tonfall an, den man von ihm erwartet, inklusive eines Wortspiels über das Spielen mit sich selbst, das sich nicht jugendfrei übersetzen lässt. Die eigentliche Frage ist, ob der beruhigende Rhythmus eines Farm-Simulators einen Text überlebt, der konsequent unter die Gürtellinie zielt. Ausprobiert hat das ernsthaft noch niemand.

„Legendäre Sorten züchten“ — so funktioniert Cannabis-Zucht wirklich

Ein beworbenes Feature verdient einen Realitätsabgleich, weil Spielerinnen und Spieler darin die meiste Zeit verbringen dürften: das Kreuzen von Pflanzen, um neue Genetiken mit ausgefallenen Effekten zu entdecken.

Im Spiel wird das vermutlich Minuten dauern. In der Realität vergehen Jahre. Eine Züchterin kreuzt zwei Elternpflanzen, zieht die erste Generation heran, dann die nächste, und die übernächste — auf der Suche nach Phänotypen, die ihre Eigenschaften über Generationen hinweg stabil weitergeben. Die Bildung von Cannabinoiden und Terpenen ist polygen, wird also von vielen Genen im Zusammenspiel gesteuert, dazu von Temperatur, Lichtspektrum und Nährstoffversorgung. Deshalb kann dieselbe Genetik in zwei verschiedenen Räumen spürbar unterschiedliche Ergebnisse liefern. Der Großteil aller Kreuzungen landet im Müll; hinter einer einzigen marktfähigen Sorte kann ein Jahrzehnt Selektionsarbeit stecken.

Dazu kommt das Problem mit den Sortennamen. Was im Handel auf dem Etikett steht, ist überwiegend Marketing und keine Taxonomie. Genetische Untersuchungen haben wiederholt gezeigt, dass Pflanzen, die unter demselben Namen verkauft werden, oft nicht miteinander verwandt sind — und dass die gängige Einteilung in Indica und Sativa chemisch kaum belastbar ist. Aussagekräftig ist der Chemotyp, also das tatsächlich gemessene Cannabinoid- und Terpenprofil.

Das ist keine Kritik am Spiel. Ein Simulator, der achtmonatige Zuchtzyklen realistisch abbildet, wäre unspielbar. Aber wenn Joint Venture auch nur einen Bruchteil seines Publikums dazu bringt, sich für die echten Abläufe zu interessieren, hat es mehr erreicht als die meisten Lizenzspiele.

Was in Deutschland erlaubt ist — und wo die Legalität endet

Hier wird es für deutsche Spielerinnen und Spieler tatsächlich interessant, denn die Fantasie des Spiels liegt näher an der Rechtslage, als man denkt.

Seit dem 1. April 2024 regelt das Konsumcannabisgesetz (KCanG) den Umgang mit Cannabis in Deutschland; die Pflanze wurde damit aus dem Betäubungsmittelgesetz herausgenommen. Volljährige mit Wohnsitz in Deutschland dürfen bis zu drei lebende Cannabispflanzen gleichzeitig für den Eigenkonsum anbauen, bis zu 25 Gramm in der Öffentlichkeit und bis zu 50 Gramm zu Hause besitzen. Der Anbau muss im privaten Bereich stattfinden, Pflanzen und Ernte müssen vor Kindern, Jugendlichen und Dritten gesichert sein. Rund um Schulen, Kitas, Spielplätze und Sportstätten gelten Konsumverbotszonen. Der gemeinschaftliche Anbau ist über Anbauvereinigungen möglich. Stand Sommer 2026 gilt das Gesetz unverändert; die politische Debatte dreht sich derzeit um mögliche Verschärfungen beim Medizinal-Cannabisgesetz, etwa bei Telemedizin und Versand, nicht um den Eigenanbau. Wer wissen will, was beim legalen Eigenanbau in Deutschland konkret gilt und welche Qualitätsfragen dahinterstecken, findet die Details in unserer ausführlichen Analyse.

Und genau hier trennen sich Spiel und Wirklichkeit. Der Aufbau eines eigenen Grows — das Herzstück von Joint Venture — hat in Deutschland eine legale Entsprechung. Das Geschäftsmodell dagegen nicht: Der kommerzielle Verkauf von Cannabis bleibt verboten, ein Coffeeshop-Modell nach niederländischem Vorbild gibt es hierzulande nicht, und wer selbst angebautes Cannabis weitergibt oder verkauft, macht sich strafbar. Das Spiel belohnt genau das, was im deutschen Recht die Grenze markiert. Wer die drei Pflanzen überschreitet oder Ware weiterreicht, verlässt den geschützten Rahmen des KCanG — mit entsprechenden Konsequenzen.

„Bevor die Konzerne kamen“ — der Witz mit dem realen Hintergrund

In der Spielbeschreibung steht ein Satz, der wie ein Gag klingt: Man mache die Dinge noch so, wie sie gemacht wurden, bevor der Cannabis-Konzern in die Stadt kam.

Das ist kein Gag, sondern der zentrale Konflikt der legalen Branche. Mit der Ausbreitung der Legalisierung geraten kleine Betriebe unter Druck — durch Lizenzkosten, Prüfauflagen, Konsolidierung im Handel und massiven Preisverfall, während große Konzerne Marktanteile aufsaugen. Die Ökonomie belohnt Größe, nicht Handwerk, und viele der Leute, die diese Kultur aufgebaut haben, können sich die daraus entstandene Industrie nicht mehr leisten.

In Deutschland verläuft diese Entwicklung anders, aber nicht weniger deutlich. Seit Inkrafttreten des CanG ist der medizinische Markt auf über 670 Millionen Euro gewachsen und versorgt schätzungsweise 900.000 Patientinnen und Patienten. Die Importe erzählen die Geschichte am klarsten: allein in den ersten drei Quartalen 2025 kamen 142,3 Tonnen medizinisches Cannabis ins Land, während zugelassene inländische Produzenten weniger als drei Prozent der Nachfrage decken. Deutschland ist zum europäischen Drehkreuz geworden — und zugleich zum Beispiel dafür, wie schnell ein Markt entsteht, den kaum jemand vor Ort bedient. Wer die Zahlen im internationalen Vergleich einordnen will, findet in unserer Übersicht dazu, wie groß der Cannabismarkt 2026 wirklich ist, die vollständigen Prognosen.

Ein Spiel also, dessen emotionaler Kern der kleine Hinterhof-Grow gegen den Konzern ist, erzählt — ob gewollt oder nicht — eine Geschichte, die die Branche gerade durchlebt.

Wer steckt hinter dem Spiel?

Entwickelt wird Joint Venture von Starworks Studios, einem kleinen Indie-Team aus Philadelphia, das zuvor unter anderem den Puzzle-Plattformer Timeworks veröffentlicht hat. Publisher ist Nitrate Games, in diesem Jahr gegründet von Daniel Kendrick, Montana Sommese und Nick Madonna.

Die Personalien sind gewichtiger, als „neuer Indie-Publisher“ vermuten lässt. Kendrick leitete zuvor IDW Entertainment und arbeitete an Spiel- und Filmprojekten zu Locke & Key, Wynonna Earp, 30 Days of Night, Godzilla und Sonic the Hedgehog; zuletzt war er Co-Executive-Producer von Batman Azteca für Warner Bros. Animation. Sommese hat rund fünfzehn Jahre damit verbracht, Hollywood-Stoffe für Spiele nutzbar zu machen, unter anderem für Warner Bros. und Fox. Madonna, bei Nitrate für die Entwicklung zuständig, hat an Titeln für Saber Interactive, Square Enix und Vivendi Universal gearbeitet und leitet PHL Collective, das Spiele zu Star Wars, Justice League und SpongeBob entwickelt hat.

Kreativdirektor von Joint Venture ist Chase Marotz, geschrieben wird es von Ernie Altbacker. Nitrate hat zudem Interesse an einer Adaption des Kultfilms Angriff der Killertomaten von 1978 signalisiert — was über den Geschmack des Hauses eigentlich alles sagt.

Wann erscheint das Spiel, und was ist mit der USK?

Der Zeitraum lautet 2027, PC über Steam. Kein genaueres Datum, kein Preis, keine bestätigten Konsolenfassungen. Als Sprache ist bislang nur Englisch gelistet. Die Steam-Seite ist bereits für die Wunschliste freigeschaltet — das Instrument, mit dem Indie-Titel die zwei Jahre zwischen Ankündigung und Erscheinen überstehen.

Eine USK-Einstufung liegt naturgemäß noch nicht vor, da das Spiel unveröffentlicht ist. Erfahrungsgemäß führen deutliche Drogenbezüge in Deutschland zu einer höheren Altersfreigabe; ein generelles Verbot der Darstellung gibt es nicht. Wie das Spiel am Ende eingestuft wird, entscheidet sich erst kurz vor Veröffentlichung — und die Entscheidung liegt nicht bei den Entwicklern.

Auf einer geschlossenen Comic-Con-Party von Nitrate und Sassy Chap Games bekamen Gäste bereits einen ersten Eindruck von der Optik. Smith selbst war nicht anwesend, offenbar um den Andrang zu vermeiden, den seine Anwesenheit ausgelöst hätte.

Häufige Fragen

Wann erscheint Jay and Silent Bob’s Joint Venture und für welche Plattformen?

Angekündigt ist 2027 für den PC über Steam. Konsolenfassungen sind nicht bestätigt, ein konkretes Datum und ein Preis stehen noch nicht fest. Die Mindestanforderungen sind moderat, das Spiel dürfte also auch auf älterer Mittelklasse-Hardware laufen.

Ist das Spiel eine realistische Anleitung zum Cannabis-Anbau?

Nein. Es handelt sich um einen fiktiven Aufbausimulator, keine Anbauanleitung. Gepflanzt, gekreuzt, geerntet und verkauft wird innerhalb der Spielhandlung; die Abläufe sind stark vereinfacht und zeitlich komprimiert. Laut Steam-Hinweis wird Cannabiskonsum stilisiert und komödiantisch dargestellt, ohne realistische Abbildung von Substanzmissbrauch.

Wäre das, was im Spiel passiert, in Deutschland legal?

Nur zum Teil. Der private Anbau von bis zu drei Pflanzen pro volljähriger Person für den Eigenkonsum ist seit April 2024 nach dem KCanG erlaubt, ebenso der Besitz von bis zu 25 Gramm unterwegs und 50 Gramm zu Hause. Der Verkauf oder die Weitergabe von Cannabis — also das eigentliche Geschäftsmodell des Spiels — bleibt dagegen strafbar, und der kommerzielle Handel ist weiterhin verboten. Wer über die drei Pflanzen hinausgeht, verlässt ebenfalls den erlaubten Rahmen. Maßgeblich ist immer der aktuelle Gesetzestext; im Zweifel sollte man rechtlichen Rat einholen.

Bekommt das Spiel in Deutschland eine USK-Freigabe?

Das steht noch nicht fest, da der Titel unveröffentlicht ist. Spiele mit ausgeprägten Drogenbezügen erhalten in Deutschland in der Regel eine höhere Altersfreigabe, ein grundsätzliches Verbot solcher Darstellungen existiert aber nicht. Die Einstufung erfolgt erst im Vorfeld der Veröffentlichung.

Haftungsausschluss

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und journalistischen Berichterstattung. Er beschreibt ein angekündigtes Videospiel sowie den branchenpolitischen Kontext dazu und stellt weder eine Rechtsberatung noch eine medizinische Beratung dar. Er enthält keine Aufforderung zum Anbau, Besitz, Erwerb oder Konsum von Cannabis. Die Rechtslage unterscheidet sich erheblich zwischen Ländern und ändert sich regelmäßig; Handlungen, die in einer Rechtsordnung zulässig sind, können in einer anderen strafbar sein. Für verbindliche Auskünfte sind die jeweils geltenden Gesetze sowie qualifizierter rechtlicher Rat maßgeblich. Angaben zu Erscheinungstermin, Plattformen und Inhalten geben den zum Redaktionsschluss öffentlich bekannten Stand wieder und können sich ändern.

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